Motor der Geschichte? AKADEMIE am DOM zur Rolle des Heiligen Geistes in der Theologie

Wien, 9. März 2026 | Zu Pfingsten rückt die Kirche den Heiligen Geist ins Zentrum. In der theologischen Reflexion hingegen fristet die Lehre vom Geist – die sogenannte Pneumatologie – häufig ein Schattendasein. Dabei ist der Geist im Christentum eine dynamische und mitunter auch unbequeme Größe. Er könne als "Unruhefaktor" und "Motor" der Geschichte wirken, sagte der Münchner evangelische Dogmatiker Prof. Jörg Lauster zuletzt in einem Interview mit der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag".
Immer wieder habe der Geist in der Geschichte des Christentums überraschende Aufbrüche ausgelöst und bestehende Strukturen herausgefordert. Seine Wirkung zeige sich etwa in den klassischen "Früchten des Geistes" – Glaube, Liebe und Hoffnung –, aber auch überall dort, wo Menschen sich über sich hinaus auf das Gute ausrichten. Zugleich könne die Berufung auf den Geist auch problematische Formen annehmen: Menschen neigten dazu, die Kraft des Geistes für sich selbst zu beanspruchen und dabei zu vergessen, dass in ihnen etwas wirke, das größer sei als sie selbst.
Vor diesem Hintergrund spricht Lauster am 25. März in der Wiener AKADEMIE am DOM in zwei Vorträgen über zentrale Aspekte der christlichen Tradition. Die Veranstaltungen finden in den Räumen der THEOLOGISCHEN KURSE am Stephansplatz statt. Eine Teilnahme ist jedoch auch online möglich.
Den Auftakt bildet um 16.00 Uhr der Vortrag Geronnene Lava – Was hat das Christentum der Welt gebracht? Darin geht Lauster der Frage nach, wie aus der anfänglichen Erwartung der ersten Christinnen und Christen, das Ende der Welt stehe unmittelbar bevor, innerhalb weniger Generationen eine stabile religiöse Lebensform entstehen konnte. Der Aufstieg des Christentums in den ersten Jahrhunderten der Zeitrechnung sei historisch wie religiös ein bemerkenswertes Phänomen. Möglich wurde diese Entwicklung unter anderem durch die Ausbildung kirchlicher Strukturen und Ämter, verlässlicher liturgischer Formen sowie durch prägende Ideale wie die Nächstenliebe.
Um 18.00 Uhr folgt der Vortrag Der Heilige Geist – Eine Biografie. Darin widmet sich Lauster der christlichen Vorstellung vom Geist Gottes als wirksamer Gegenwart Gottes in der Welt. Der Geist bleibe schwer fassbar und entziehe sich eindeutigen begrifflichen Festlegungen – in der biblischen Tradition wird er mit Bildern wie Wind oder Sturm beschrieben.
Lauster beschreibt die Gegenwart Gottes in der Welt im Interview mit dem Wiener "Sonntag" mit dem Bild eines "Rauschens": Dieses verweise darauf, dass die Welt "eine Herkunft jenseits ihrer selbst" habe und von einem Grund getragen werde, "der es gut mit uns meint". Im Christentum sei dieses "Rauschen" besonders in der Gestalt Jesu Christi hörbar geworden; die Gegenwart Christi werde jedoch immer nur vermittelt durch den Geist erfahrbar – daher spreche man von Spiritualität.
Auch kirchliche Protestbewegungen könnten in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen, meint der Theologe. In ihnen sei häufig "ein Fünkchen Wahrheit" enthalten, das die Kirchen vor Erstarrung bewahren könne. Gleichzeitig bleibe die Unterscheidung zwischen menschlichem und göttlichem Geist eine bleibende Herausforderung.

