AKADEMIE am DOM startet Reihe zur Krise & Zukunft der Demokratie

Wien, 13. Februar 2026 | Unter dem Titel "Demokratie in Gefahr?" widmet sich die Wiener AKADEMIE am DOM im heurigen Frühjahr einem der brisantesten Themen unserer Zeit: der Stabilität, den Gefährdungen und den Zukunftsperspektiven demokratischer Gesellschaftsordnungen. In einer öffentlichen Vortragsreihe – wahlweise vor Ort (Stephansplatz 3) oder online – nehmen namhafte Wissenschaftlerinnen und Experten zentrale Aspekte politischer, gesellschaftlicher und medialer Entwicklungen in den Blick und laden zur interdisziplinären Auseinandersetzung ein.
Galt Demokratie bis vor Kurzem noch als ein "unverlierbar geglaubtes Gut", so scheint sie aktuell durch politischen Autoritarismus, soziale Polarisierungen, immer aggressiver auftretende Extremisten und eine nicht minder aggressive christliche Rechte unter Druck zu geraten. Der Schwerpunkt greift diese Facetten auf und fragt nach Ursachen, Gefährdungen und Handlungsoptionen.
Den Auftakt der Reihe bildet am 25. Februar ein Vortrag der Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger. Unter dem Titel "Mein Reich in dieser Welt. Ursprung, Ideologie und Perspektive des 'Integralismus' als politische Theologie" analysiert sie aktuell kursierende theologisch-ideologische Modelle, in denen die politische Autorität unter geistliches Kuratel gestellt werden soll. Im Fokus steht dabei der "Neo-Integralismus", der - ausgehend von den USA und zugleich auch mit engen Verbindungen nach Österreich - eine Unterordnung der politischen Autorität unter die geistliche bzw. kirchliche Autorität fordert.
Am 23. März stellt die Religionssoziologin Kristina Stoeckl die grundlegende Frage: "Gehen Christentum und Demokratie zusammen?" Nach einer Phase des gedeihlichen Miteinanders von Christentum und Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg, wo die christlichen Kirchen zu Stützen von Demokratie, Menschenrechten und europäischer Integration wurden, sei dieses Verhältnis heute getrübt: Während viele christliche Akteure weiterhin demokratische Werte verteidigen, berufen sich rechtspopulistische und reaktionäre Strömungen auf das Christentum als Identitätsmarker gegen demokratischen Pluralismus, Migration und gesellschaftliche Vielfalt. Braucht es also eine Neubestimmung des Verhältnisses von Christentum und Demokratie?
Im Mittelpunkt des Vortrags der Wiener Philosophin und Politikwissenschaftlerin Anna Wieder am 15. April steht die kritische Auseinandersetzung mit Protest- und Widerstandsformen der Gegenwart. Unter dem Titel "Ziviler Widerstand als Demokratiekritik?" fragt sie, wie politische Widerstandspraktiken zu bewerten sind, wenn sie im Namen des Volkes demokratische Regeln unterlaufen – und wo normative Grenzen demokratischer Legitimation verlaufen.
Ebenfalls am 15. April folgt ein Vortrag des Journalisten und USA-Experten Klaus Prömpers zur Rolle der Europäischen Union. Unter dem Titel "Europäische Union – im Härtetest" diskutiert er, vor welchen Bewährungsproben das europäische Integrationsprojekt steht und wie kollektive demokratische Prozesse in Zeiten multipler globaler Herausforderungen stabilisiert werden können.
Am 22. April sucht der Wiener Politikwissenschaftler Ulrich Brand unter dem Titel "Norden oben – Süden unten?" Wege aus dem "imperialen Kapitalismus". Beleuchtet werden dabei die Zusammenhänge zwischen globalen Ungleichheiten und demokratisch-politischen Spannungen sowie die Frage, inwiefern wirtschaftliche Strukturen und Ressourcenverteilungen demokratische Grundlagen unterminieren – und welche ethischen Alternativen denkbar sind.
Den Abschluss der Reihe bildet am 29. April ein Vortrag der Journalistin Ingrid Brodnig unter dem Titel "Über die gezielte Zerstörung öffentlicher Debatten – Warum Lügen/Fake News so gut funktionieren". Sie zeigt darin u.a. Mechanismen auf, mit denen Desinformation, manipulative Bilder und populistische Eskalationsmuster demokratische Kultur und öffentliche Debatten gefährden – und diskutiert Strategien, um die demokratische Öffentlichkeit zu schützen.

