Freitag 14. Dezember 2018

Erkennen,

was dahinter steckt.

Wir gedenken:
Elisabeth Duscher 1934 - 2011 » zur Person
Elisabeth Duscher
1934 - 2011
zur Person

 

Elisabeth DUSCHER, Sekretärin und „Seele“ der THEOLOGISCHEN KURSE, ist am 25. März 2011 im 77. Lebensjahr verstorben. Über 35 Jahre lang war sie für die THEOLOGISCHEN KURSE tätig, seit 1955 zunächst als Sekretärin im Institut Fernkurs für theologische Bildung, von 1982 bis zu ihrem Ruhestand 1991 als Generalsekretärin. Elisabeth Duscher stand mit ihrem Engagement Margarete Schmid, Leiterin der Kurse von 1940 bis 1980, zur Seite. In Zeiten ohne Computer, Internet und E-Mail koordinierte sie nicht nur den Druck der Skripten, konzipierte zahllose Mitteilungen und administrierte sämtliche Kurs- und Prüfungsanmeldungen, sondern betreute auch vor Ort die Studienwochen in Deutschland, Italien und Österreich. Ihre Tätigkeit verstand sie als Dienst am Glauben und an der Kirche. Sie begeisterte sich für Literatur und klassische Musik und war überaus gastfreundlich. Als aufmerksame Zuhörerin stand sie Menschen in vielerlei Nöten bei und hat Margarete Schmid bis zuletzt in großer Treue begleitet. Wie diese hat wohl nur Elisabeth Duscher in einem solchen Ausmaß für die THEOLOGISCHEN KURSE gelebt. Wir teilen mit Elisabeth die Hoffnung, dass Christus sie heimgeführt und vollendet hat und bleiben ihr in dankbarem Gedenken verbunden.

Isnard Frank 1930 - 2010 » zur Person
Univ.-Prof. P.Dr. Isnard Frank
1930 - 2010
zur Person

P. Isnard FRANK OP, in Wien habilitierter Kirchenhistoriker und Prior des Wiener Konvents der Dominikaner, ist am 13. Oktober 2010 im Alter von 80 Jahren verstorben. Von 1979 bis zu seiner Emeritierung 1995 war er Professor für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Mainz. Nach seiner Rückkehr nach Wien hat Isnard Frank von 1999 bis 2002 bei den THEOLOGISCHEN KURSEN  Kirchengeschichte gelehrt und zahlreichen Kursteilnehmenden – nicht zuletzt in seinem über 30 Jahre hindurch immer wieder neu aufgelegten Skriptum „Kirchengeschichte“ – durch große Bögen Zusammenhänge erschlossen und wichtige Leitmotive der Epochen aufgezeigt.

 

Nachruf seines Dominikaner-Ordens

Johann Gamberoni 1921 - 2017 » zur Person
Univ.-Prof. Dr. Johann Gamberoni
1921 - 2017
zur Person

Johann Gamberoni wurde am 28. April 1921 in Bozen geboren und am 27. Oktober 1946 in Rom zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe wirkte er bis 1949 als Kooperator in Sterzing. Von 1949 bis 1952 studierte Gamberoni in Rom und Palästina und von 1952 bis 1972 war er als Professor am Priesterseminar in Brixen tätig.
Von 1952 bis 1959 wirkte Gamberoni zugleich als Studienpräfekt am Priesterseminar und von 1955 bis 1957 zudem als Religionslehrer am Deutschen Lyzeum in Brixen. Von 1971 bis 1986 lehrte Gamberoni als Universitätsprofessor in Paderborn in Deutschland.
Im Theologischen Fernkurs lehrte er jahrzehntelang Altes Testament und war als gefürchteter Prüfer bekannt.

 

Zur Parte

Peter Glas 1972 - 2004 » zur Person
Mag. Peter Glas
1972 - 2004
zur Person

Peter GLAS, unser liebenswürdiger und geschätzter Kollege im wissenschaftlichen Team der THEOLOGISCHEN KURSE, ist am 7. September 2004  im Alter von nur 32 Jahren plötzlich verstorben. Peter hat Katholische Fachtheologie und Selbständige Religionspädagogik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten studiert und das Studienjahr 1992/93 an der Gregoriana in Rom verbracht. Nach Studienabschluss zunächst als Pastoralassistent, dann 1997–2000 im Bischöflichen Ordinariat und als Sekretär von Weihbischof Heinrich Fasching tätig, hat er von 2000 bis 2004 im Theologischen Kurs das Fach Theologie der Spiritualität gelehrt. Eine bleibende Frucht seiner Mitarbeit am seinerzeit neuen fächerübergreifenden Kurskonzept ist das Skriptum für Teil XIII „Modelle des Glaubens und der Nachfolge.“

Jacob Kremer 1924 - 2010 » zur Person
Univ.-Prof. Jacob Kremer
1924 - 2010
zur Person

Seit Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts lehrte Univ.-Prof. Dr. Jacob Kremer, Vorstand des Insituts für neutestamentliche Bibelwissenschaft an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, das Fach Neues Testament beim Wiener theologischen Kurs.  Sein Assistent, Dr. Walter Kirchschläger, leitete von 1980 - 1982 die THEOLOGISCHEN KURSE. 

Dem ursprünglich aus dem Bistum Aachen stammenden Priester war neben dem wissenschaftlichen Zugang zum NT auch die Bibelpastoral ein besonderes Anliegen, für die er sich besonders im Katholischen Bibelwerk einsetzte. Es machte ihm sehr zu schaffen, als er aus gesundheitlichen Gründen seine Lehrtätigkeit bei den THEOLOGISCHEN KURSEN aufgeben musste. 

Wir werden diesen bedeutenden Wissenschaftler und Lehrenden nicht vegessen.

 

Zum Nachruf seines Instituts.

Charlotte Mang 1924 - 2014 » zur Person
Charlotte Mang
1924 - 2014
zur Person

 

Charlotte MANG, ehrenamtliche Bibliotheksmitarbeiterin der THEOLOGISCHEN KURSE, ist am 11. Februar 2014 in Salzburg im 90. Lebensjahr verstorben. Als Kursbegleiterin der Sommerwochen in Batschuns reiste sie bis 2007 wiederholt quer durch Österreich. Am Stephansplatz war Charlotte Mang viele Jahre hindurch "guter Geist" in der Kurs-Bibliothek. Lange vor der Umstellung auf die computergestützte Verwaltung der Bibliothek hat sie in echter Handarbeit unzählige Bücher katalogisiert, verschlagwortet, eingeordnet und gemahnt und so den Bücherbetrieb perfekt am Laufen gehalten. Ihr freundlicher Humor, der so manche Unzulänglichkeit mit einem Schmunzeln bedacht hat, bleibt unvergessen.

Helmut Platzgummer SJ 1929 - 2017 » zur Person
P.Dr. Helmut Platzgummer SJ
Gymnasium d. Jesuite
1929 - 2017
zur Person

P. Helmut PLATZGUMMER SJ, studierter Philosoph und promovierter Theologe, Direktor und Rektor des Kollegium Aloisianum in Linz, Provinzial und Ökonom der Österreichischen Jesuitenprovinz, ist am 21. Jänner 2017 87-jährig im Heim St. Josef am Inn gestorben. Zeitlebens war er Lehrer mit Leib und Seele für Groß und Klein: 40 Jahre unterrichtete P. Platzgummer am Gymnasium am Freinberg Deutsch, Religion, Geschichte, Latein und Philosophie; und den Teilnehmenden im Theologischen Fernkurs erschloss er bereits als "Mann der ersten Stunde" und weiter bis in die aufregenden Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sein Fach Kirchengeschichte, deren jüngstes Kapitel eben erst geschrieben worden war. Ganz im Sinne heutiger "lernerorientierter Qualitätssicherung" hat der erfahrene Pädagoge in seinem gleichermaßen fortschrittlichen wie topaktuellen Skriptum mit "Fragen und Anregungen zum Studium" die persönliche Reflexion und mündige Aneignung der Inhalte durch die Lernenden gefördert. Nicht zuletzt deshalb werden die THEOLOGISCHEN KURSE und Generationen von Fernkursteilnehmenden P. Helmut Platzgummer als ihren ebenso gewissenhaften wie liebenswürdigen Lehrer in dankbarer Erinnerung behalten. Nachruf des Jesuitenordens: http://www.jesuiten.at/verschiedenes/nachrichten-archiv/details/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=2364&cHash=a2fe40c4101851e324c0d95f911aa854

Bruno Primetshofer CSsR 1929 - 2014 » zur Person
Univ.-Prof.P.DDr. CSsR Bruno Primetshofer CSsR
1929 - 2014
zur Person

P. Bruno PRIMETSHOFER CSsR, Kirchenrechtler und langjähriger Referent der THEOLOGISCHEN KURSE ist am 26. März 2014 85-jährig in Wien gestorben. Seit 1972 war er zunächst in Linz, dann von 1982 bis zu seiner Emeritierung 1997 in Wien Ordinarius für Kirchenrecht sowie am Diözesangericht tätig. Als einer der besten Kenner und Vermittler des katholischen Kirchenrechts hat der gebürtige Oberösterreicher Generationen von Kursteilnehmenden im Theologischen Kurs die Scheu vor dem Fach "Kirchenrecht" genommen und ihnen – nicht zuletzt über sein für die THEOLOGISCHEN KURSE verfasstes Skriptum "Kirchenrecht" – die kanonische Denk- und Arbeitsweise zugänglich gemacht. Mit seinem realitäts- und problembewussten Blick auf pastorale Anforderungen lag seine Priorität dabei stets bei den Menschen. So hat Primetshofer immer aufgeschlossen und mit klaren Worten eine zeitgemäße Interpretation kirchlicher Gesetzestexte vorgelegt und eingefordert. Wegweisend bleibt seine Einschätzung, die Unauflöslichkeit der Ehe sei kein unabänderliches Dogma, vielmehr könne nach Prüfung jedes einzelnen Falles eine kirchliche Zweitehe ermöglicht werden. Die THEOLOGISCHEN KURSE  verdanken ihm sehr viel und werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten.

Alfons Riedl 1937 - 2008 » zur Person
Univ.-Prof. Dr. Alfons Riedl
1937 - 2008
zur Person

Alfons RIEDL, Vorstand  des Instituts für Moraltheologie (1979–2002) sowie Rektor (1992–1994) der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, ist nach kurzer Krankheit am 21. Februar 2008 in Linz im 71. Lebensjahr gestorben. Alfons Riedl wirkte außerdem als Diözesanrichter und als Vorsitzender der Schlichtungs- und Schiedsstelle des Bistums Linz und engagierte sich seit 1992 als Dozent für Moraltheologie bei den THEOLOGISCHEN KURSEN, dessen Kuratorium für das Institut Theologischer Fernkurs er bis zuletzt angehörte. 2003 wurde die  theologische Erwachsenenbildung und pastorale Fortbildung mit seiner Ernennung zum Bischofsvikar durch Bischof Maximilian Aichern dann auch zu seinem offiziellen Aufgabengebiet.

Hans Rotter SJ 1932 - 2014 » zur Person
Univ.-Prof. Dr. Hans Rotter SJ
1932 - 2014
zur Person

 

P. Hans ROTTER SJ, Ehrenfreund und jahrzehntelanger Referent im Fach Moraltheologie bei den THEOLOGISCHEN KURSEN, ist am 10. März 2014 in Zams verstorben. Der habilitierte Moraltheologe war von 1970 bis zu seiner Emeritierung 2001 Professor an der Universität Innsbruck. Danach wirkte er als Krankenhausseelsorger im Bezirkskrankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams bei Landeck. Hans Rotters Moraltheologie war seit seiner Habilitationsschrift „Grundgebot Liebe“ davon geprägt, jenseits einer kasuistisch-juridischen Morallehre mittels eines personalen Denkens Antworten auf die konkreten Sorgen der Menschen zu geben. Er hat dabei – nicht zuletzt als Angehöriger der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck – auch kirchlich umstrittene Themen wie Schwangerschaftsabbruch, außereheliche Lebensgemeinschaften, Ehescheidung, Todesstrafe oder Homosexualität aufgegriffen und sich mutig für Reformen und einen neuen Aufbruch in der Kirche engagiert, was ihn weit über Tirol hinaus bekannt gemacht hat. Die THEOLOGISCHEN KURSE und viele Kursteilnehmende behalten Hans Rotter in ehrender und dankbarer Erinnerung. 

Hans Schermann CSsR 1936 - 2018 » zur Person
Theol.Prof.P.Dr. CSsR Hans Schermann CSsR
1936 - 2018
zur Person

P. Hans Schermann wurde am 19. Juni 1936 in Pilgersdorf (Bgld.) geboren. 1947 trat er ins Juvenat der Redemptoristen in Katzelsdorf an der Leitha und begann 1955 das Noviziat in Mautern (Stmk.). 1956 legte er die Ordensgelübde ab. 1961 wurde er in Mautern zum Priester geweiht. Von 1966 an hielt er Vorlesungen an den Ordenshochschulen der Redemptoristen in Mautern, in Gars am Inn und an der Jesuitenhochschule für Philosophie in München. 1969 bis 1981 übte P. Schermann in Innsbruck das Amt des Studentenpräfekten aus, bis 1975 war er zugleich auch Rektor des Redemptoristenkollegs. 1981 wurde er zum Provinzial der Wiener Provinz der Redemptoristen gewählt und hatte dieses Amt bis 1990 inne. Die Ordensleitung holte ihn immer wieder zu mehrwöchigen Kursen nach Indien, auf die Philippinen, Indonesien, Australien, damit er dort den Mitbrüdern die Spiritualität des hl. Alphons und des hl. Klemens nahebringe.
Den THEOLOGISCHEN KURSEN war Pater Schermann jahrzehntelang als überaus beliebter Referent im Fach Philosophie verbunden.

Margarete Schmid 1914 - 1997 » zur Person
DDr. Margarete Schmid
1914 - 1997
zur Person

Margarete SCHMID, 1914 in Innsbruck geboren, studierte in Innsbruck Philosophie - das Theologiestudium ist damals für Laien nicht möglich - und promovierte im Dezember 1937. Anfang des Jahres 1938 ging sie nach Wien, um in der Katholischen Aktion Initiativen apostolischer Wirksamkeit zu entwickeln. Trotz der von den Nationalsozialisten verfügten Auflösung aller kirchlichen Vereine arbeitete Schmid unter dem persönlichen Schutz von Kardinal Theodor Innitzer weiter und gründete in kirchlichem Auftrag 1940 das "Theologische Laienjahr", die späteren Theologischen Kurse. Ungeachtet des persönlichen Risikos führte sie zudem in ihrer Wohnung den "Schmid'schen Salon", wo namhafte Theologen und Philosophen wie Karl Rahner, Romano Guardini, Alfred Delp, Erich Przywara u. a. geistigen Austausch pflegten. Nach Öffnung des Studiums für Nichtkleriker studierte Schmid in Wien Theologie (Promotion 1956); bis 1980 blieb sie Leiterin der Theologischen Kurse und unterhielt bis ins Alter private theologisch-philosophische Gesprächskreise. Im Jänner 1997 ist Margarete Schmid 83-jährig gestorben. ZUM TEXT MEINES LEBENS Wenn ich mein langes Leben überblicke, so kommt mir das vor, wie wenn ich einen Text nach Oberflächenstruktur und Tiefenschicht lesen und deuten soll. Manchmal kommen diese Strukturen einander sehr nahe und vielleicht ist es das, was aussagbar ist. Ich wurde in einer gutsituierten Mittelstandsfamilie in Innsbruck am 9.10.1914 als fünftes von sieben Kindern geboren. Wenn ich mich nach der Prägekraft der Familie frage, ist die Antwort schwer. Wir wurden zum Morgen- und Abendgebet angeleitet, es gab das Tischgebet, der Besuch der Sonntagsmesse war vorgesehen, meine älteren Geschwister waren alle in katholischen Internaten. Meine frühe Jugend war unbeschwert und diskret liebevoll getragen. Der Religionsunterricht in der Übungsschule und später in der Lehrerinnenbildungsanstalt war ausgezeichnet, aber doch etwas angstbesetzt. Ein Ereignis griff tief in mein Leben ein. Mit zehn Jahren bekam ich einen schweren Scharlach. Ich musste sechs Wochen in ein Infektionsspital, war erstmals völlig getrennt von meiner Familie, eine Zeit, in der ich immer von Todesgedanken bedroht war. Die weitere Kinder- und Jugendzeit war auf mehrfache Weise beschwert. Mein Vater wurde schwer krank und konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben. Es wäre zu einer finanziellen Katastrophe gekommen, wenn nicht ein Großvater geholfen hätte. Noch drückender als diese Situation empfand ich jedoch die weltanschaulich großen Differenzen, die durch die Gesinnung meiner aus den Internaten zurückgekehrten Brüder entstanden. Mein Vater war liberal und national, meine Brüder jedoch nationalsozialistisch. Das führte zu äußerst schwierigen Auseinandersetzungen in der nun ohnehin angeschlagenen Familie. Ich erinnere mich, dass ich damals geradezu die Flucht in die Familie einer Freundin versuchte, in eine der bewährten katholischen Familien in Innsbruck. Sie übte eine stärkere Prägekraft auf mich aus als meine eigene Familie. Ich bekam dort gesunde religiöse Anregung, vor allem durch Franz Mitzka SJ, den Dogmatiker an der Theologischen Fakultät in Innsbruck, der ein Freund der Familie war und regelmäßig mit uns Jugendlichen sozusagen "Glaubensgespräche" führte. Diese Begegnung prägte mich für mein zukünftiges Leben. Schließlich kam die Zeit der Berufsentscheidung. In unserer Familie war es üblich, dass wir insofern große Freiheit hatten, als jeder von uns entweder studieren konnte oder auch nicht, und dass man studieren konnte, was man wollte. Das wurde auch aufrechterhalten in der sehr schwierigen finanziellen Situation. Schon zu dieser Zeit war mein Interesse an Theologie sehr groß. Ein solches Studium war für Laien und vor allem für Frauen aber nicht üblich. So entschloss ich mich für ein Studium an der Philosophischen Fakultät in Innsbruck, und zwar der Philosophie (und Pädagogik), der Geschichte und am Rand auch der Germanistik. Vor allem in den beiden ersten Fächern war das mit einer ernsthaften Auseinandersetzung verbunden, wenn man als gläubiger Jugendlicher studierte. Die praktische Durchführung der vier Studienjahre sah so aus: Ich hatte zu Hause Wohnung und Lebensunterhalt, alles andere musste ich mir selbst verdienen. Das hieß die Studiengebühren - sie mussten damals von jedem Studierenden in gewisser Höhe selbst bezahlt werden -, die Studienbehelfe, die Freizeitausgaben und die Kleidung (ich nähte sie mir selber). Ich verdiente mir das nötige Geld durch Stundengeben und durch Abschreiben von Dissertationen. Das hat mir alles nichts ausgemacht. Die Kraft dazu gab mir das Leben in der von Pater Mitzka neu gegründeten Studentinnenkongregation. Wir erhielten dort durch die jährlichen Exerzitien geistliche Anregung und Ausrichtung, Einführung in theologisches Denken und Anleitung zur Argumentation. Unter den Sodalinnen entstanden Freundschaften für das Leben. Am wichtigsten wurden für mich die zweiten Exerzitien: Ich fühlte mich angeregt zu einem Leben mit und für Christus in der Kirche. Wie ich meine Vorstellung verwirklichen sollte, wusste ich zunächst noch nicht. Ich dachte merkwürdigerweise niemals an Eheschließung und niemals an klösterliches Leben. So kam mir die Anregung, zu einem ehelosen Leben um des Himmelreiches willen, zu einer einfachen Lebensführung und zu einem besonderen Hinhören auf den Willen Gottes. Ich wollte von mir aus nichts anstreben, sondern das möglichst gut erfüllen, was mir als Wille Gottes erschien. Der entscheidende Hinweis auf ein solches Leben geschah eines Abends im Sommerlager der Kongregation: Kanonikus Leopold Engelhart, der Leiter der Katholischen Aktion (KA) Wiens, kam zu Besuch und erzählte von der Situation der Kirche in Wien, die in vieler Hinsicht sehr anders war als die der Kirche in Innsbruck und Tirol (beide glaubte ich einigermaßen zu kennen). Am nächsten Tag fragte mich der Kanonikus, ob ich bereit wäre, in der Kirche von Wien mitzuarbeiten. Ich sagte sogleich zu. Nicht, weil mir das so leicht gefallen wäre, sondern weil ich es als den Willen Gottes empfand. Zugleich wurde mir natürlich bewusst, dass dies einen sehr schweren Abschied bedeuten würde, nicht nur von meiner Familie - sie war nicht einverstanden, wollte und konnte meine Pläne aber auch nicht hindern -, sondern auch von der Kongregation und ihrem Präses. Kurzum: Am 17. Dezember 1937 schloss ich mein Studium in Innsbruck mit dem philosophischen Doktorat ab und trat am 2. Jänner 1938 meinen Dienst in der Erzdiözese Wien an, ohne zunächst genau zu wissen, was ich wirklich tun sollte und wie sich mein Leben gestalten würde. Für ein einfaches Leben war jedenfalls gesorgt. Ich wurde zunächst in einem Kloster im 3. Bezirk in einem Zimmerchen von 2 zu 2 1/2 m2 untergebracht. Dort wurde ich auch verpflegt. Mein Monatseinkommen ging fast zur Gänze für diese Lebensbedürfnisse auf. In der Zentrale am Stephansplatz wurde ich von meinen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen außerordentlich herzlich aufgenommen. Kanonikus Engelhart wies mich ausführlich in die kirchliche Situation ein. Mein Aufgabenbereich war nach Einarbeiten in Theorie und Praxis der Katholischen Aktion Initiativen zu einer apostolischen Wirksamkeit speziell auf dem Gebiet der Literatur zu entwickeln, die über das Bibliothekswesen hinausgehen sollten. Das damalige Verhältnis von Kirche und Staat wurde mir etwas klarer. Erinnerlich ist mir noch eine Veranstaltung der österreichischen Bischöfe, in der sie über die Errichtung einer Katholischen Universität in Salzburg berieten. Bei dieser Gelegenheit wurde ich ihnen vorgestellt. Sehr bald - aber keineswegs überraschend - kam mit dem 11. März 1938 die grundsätzliche Wende. Die Frage, wie sich in der Zukunft die Kirche unter nationalsozialistischer Herrschaft entwickeln sollte, war von einem Tag auf den anderen brennend geworden. Unvergesslich ist mir die rasche Aufeinanderfolge von Ereignissen: die Katholische Aktion wurde aufgelöst, und zwar nach dem Willen von Papst Pius XI. Sie sollte nicht weitergeführt werden, wenn dies nicht in ihrer ursprünglichen Zielsetzung möglich wäre. Und das war natürlich nicht möglich. Aber nach dem Willen von Kardinal Innitzer sollte die Arbeit in den Zentralstellen und vor allem in den Pfarren - auch nach Auflösung aller kirchlichen Vereine - unter enger Bindung an das Ordinariat und unter bestimmten sehr klug gegebenen Impulsen weitergehen. Und wer würde die Arbeit tun und wie sollte sie bezahlt werden? Kardinal Innitzer hielt sich jedenfalls nicht an den Rat seines Kanzleidirektors, der meinte: "Schickt's die Madln ham!" Ich wurde von Domkapitular Dr. Rudolf gefragt, ob ich in seinem Bereich weiterarbeiten wolle. Ich sagte zu, obwohl alles sehr unsicher geworden war. Hier möchte ich ein für die ganze kirchliche Arbeit in Wien entscheidendes Datum erwähnen: Am 7. Oktober 1938 wurde im Dom zu St. Stephan unter unerwartet großer Teilnahme der Katholischen Jugend das Rosenkranzfest gefeiert. In Verbindung damit kam es zum Sturm auf das erzbischöfliche Palais und zur Inhaftierung von Teilnehmern, sowie zum Fenstersturz eines Domkuraten von St. Stephan im Churhaus. So tragisch diese Ereignisse in vieler Hinsicht waren, so zeigte sich in ihnen doch auch eine große Treue zur Kirche. - Persönlich bekam ich bald einmal einen deutlichen Hinweis auf die Gefährlichkeit unserer kirchlichen Aktivitäten: In meiner Wohnung (ich hatte sie glücklicherweise einen Tag vor Inkrafttreten eines nationalsozialistischen Gesetzes bekommen, das Alleinstehenden den Bezug einer eigenen Wohnung verbot) tauchte plötzlich ein Gestapomann auf und befragte mich nach meinen Beziehungen zu einer getauften Jüdin, die ich vom Stephansplatz her kannte. Die Folge war eine Vorladung in den Trattnerhof im 1. Bezirk. Ich begegnete dort wieder diesem Mädchen und seiner Mutter, die nach Theresienstadt geschickt worden waren, wobei mir jeder Sprech- und sonstiger Kontakt ausdrücklich verboten worden war. Bald nachher kamen die beiden nach Auschwitz. Die Tätigkeit in Wien erweiterte meinen Horizont außerordentlich. Sozusagen Tür an Tür arbeitete ich mit Otto Mauer, der langsam eine Gebildetenseelsorge und speziell eine Künstlerseelsorge aufbaute, mit Dr. Karl Strobl, der sich den Studenten an den Universitäten und Hochschulen annahm, später auch mit DDr. Diego Hanns Goetz OP, der eine Schauspielerseelsorge ins Leben rief, mit Dr. Leopold Soukup OSB, dem die Weiterbildung des Klerus anvertraut war, mit DDr. Josef Casper, der ökumenische Anliegen zu vertreten hatte. Wichtig war auch die Verbindung zu dem nach Wien gekommenen Dr. Ignaz Zangerle, der sich vor allem für Politik und Literatur interessierte. Auch am Ort wurden persönliche Kontakte hergestellt, vor allem zu Burgschauspielerinnen und Burgschauspielern (Raoul Aslan, Maria Eis, Julia Janssen, Elisabeth Kalina, Oskar Werner), mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern (Henz, Preradovic) mit dem Philosophen Alois Dempf. Sehr bereichert wurde die geistige Szene dadurch, dass einige Professoren und Dozenten der 1939 aufgehobenen Innsbrucker Theologischen Fakultät nach Wien kamen: Franz Mitzka SJ, Josef Andreas Jungmann SJ (in die Nähe Wiens), Karl Rahner SJ, Alois Lieske SJ. Wien war bald zum beliebten geistigen Treffpunkt geworden. - Über Einladung von Otto Mauer kamen katholische Philosophen und Theologen aus dem "Altreich". Zu den eindrucksvollsten Begegnungen gehörten die mit Romano Guardini, Alfred Delp SJ und vor allem mit Erich Przywara SJ. (Sie fanden auch in Privatwohnungen statt.) Hier ist es notwendig zu erwähnen, dass 1943 - mitten in die schlimmste Kriegszeit hinein - der Erzbischof von Freiburg, Konrad Gröber, sich mit einem Schreiben vom 18.1. an den großdeutschen Episkopat wandte und natürlich auch an den Papst: Es bestehe eine offenkundige geistige Spaltung innerhalb der großdeutschen Geistlichkeit. Als Ursachen dafür benannte er die "liturgisch Bewegten", die Charismatiker, die Schönstätter, die Wiener Aktivisten, den Gegensatz zwischen Alten und Jungen. Dafür führte er sechzehn Begründungen an: Sinkendes Interesse an der Theologia naturalis, wachsende Minderbewertung der scholastischen Philosophie und Theologie, neue Begriffsbestimmung des Glaubens, radikale Kritik an dem bisher Gewordenen, Zurückgreifen auf die frühen Zeiten, einseitige Bevorzugung der christlichen Patristik, wachsender Einfluß der protestantischen Dogmatik auf die katholische Glaubensdarstellung, Grenzöffnung anderen Kirchen gegenüber, andersartiger Kirchenbegriff: Überbetonung der Kirche als Mystischer Leib, aber auch als Volk Gottes, des allgemeinen Priestertums, sublimer Supranaturalismus, Christusmystik, Verständnis der Eucharistie, Überbetonung des Liturgischen, Überbetonung der objektiven gegenüber der subjektiven Frömmigkeit, Liturgie (Gemeinschaftsmesse, deutsche Sprache usw.)... "Die Liste dessen, was mich beunruhigt, könnte ich noch um manches ähnlich Fragwürdige erweitern. Können wir großdeutschen Bischöfe und kann da Rom noch schweigen?" Die Wiener Reaktion war, dass ein Theologenkreis um Dr. Karl Rudolf sich mit der Sache befasste und zu einem einheitlichen Ergebnis kam; den Entwurf der Antwort redigierte vermutlich Karl Rahner. Kardinal Innitzer identifizierte sich mit dem Ergebnis und leitete es nach Rom weiter. Man stelle sich diese Situation vor: ein derartiger innerkirchlicher Konflikt mitten im Krieg, Theologie und Seelsorge einer solchen Diskussion ausgesetzt, wobei vieles Angegriffene gewiss "Wien" betraf. Vieles von dem, was Gröber vorgetragen hat, wurde im II. Vatikanischen Konzil thematisiert und gelöst - allerdings anders, als Gröber sich das erwartet hätte. Ich musste auf die oben geschilderte Situation etwas eingehen, um glaubhaft zu machen, dass die Jahre 1938-45 für mich die vielleicht entscheidendsten Jahre des Lernens, der Auseinandersetzung, des Erprobens der organisatorischen Fähigkeiten waren. 1939-41 studierte ich nebenbei Medizin, unterbrach dieses Studium aber, nachdem der Bestand des Wiener Seelsorgeamtes zu diesem Zeitpunkt fast gesichert war. Anschließend konnte ich endlich ebenfalls nebenberuflich - meinen Wunsch, an der Theologischen Fakultät Wien zu studieren, erfüllen und dieses Studium auch nach mehreren Unterbrechungen 1956 mit dem theologischen Doktorat abschließen. Meine berufliche Tätigkeit im Wiener Seelsorgeamt war einerseits die Leitung eines Referates "Religiöses Schrifttum", wobei alle erlaubten Möglichkeiten ausgenützt wurden. Daraus entstand manche Aktivität, die sich nach 1945 voll entfalten konnte. 1939 wurde ich zur Mitplanung des "Theologischen Laienjahres" aufgefordert. 1940 wurde mir die Betreuung dieses Theologischen Kurses für Laien und sein Ausbau anvertraut. Anlass war, dass eine geistig anspruchsvolle Schicht von Katholiken die nun angebotene Möglichkeit, ihren Glauben auf dem Niveau zu überdenken, auf dem sie auch sonst geistig sich bewegte, gern angenommen hat. Das Potential der Vermittler war gegeben. Dies war der kleine Same, aus dem im Laufe von Jahrzehnten ein großer Baum wachsen sollte. Das Experimentierfeld waren die sieben Jahre in der NS-Herrschaft. Gekennzeichnet waren sie durch überaus große Einsatzbereitschaft und den Willen, das selbst eben Erlernte, das dialogfähige Glaubensverständnis auch unter schwierigsten Umständen weiterzugeben. Persönlich wurde ich - so sehe ich es heute -, wunderbar durch diese schrecklichen Jahre geführt. Die Englischen Fräulein, mit denen ich befreundet war, ermöglichten mir, die letzten Kriegstage in ihrer Wohnung in der Steindlgasse zu verbringen. Auch P. Mitzka SJ und P. Waldmann SJ waren dort eingeladen, nachdem die Kirche am Hof durch eine Bombe getroffen worden war (ein Ereignis, das ich an Ort und Stelle heil überstand). Schlimm war die Situation, als fünf durch die Steindlgasse ziehende Russen durch einen gezielten deutschen Angriff getötet worden waren. Das russische Kommando, das uns sofort aufgesucht hat, vermutete, wir hätten eine Verbindung hergestellt. Ich hatte den Eindruck, dass nur die beiden "Popen" uns vor dem Schlimmsten bewahrten. Wir konnten für kurze Zeit in ein Spital übersiedeln - damals die beste Möglichkeit zu überleben. Die Kriegshandlungen in Wien dauerten nicht lange an. Trotz des Bombenschadens im Churhaus und trotz des Nicht-Funktionierens vieler Verkehrsmittel, setzten wir den Kursbetrieb drei Wochen nach Kriegsende wieder fort. Das bedeutete für alle Beteiligten eine große Leistung, aber auch eine sinnvolle Nutzung dieser schweren Zeit. Für die kirchliche Zentrale brach eine neue Ära an: Die einzelnen Referate am Stephansplatz wurden disloziert und erweitert, eine notwendige und zugleich auch schmerzvolle Konsequenz für die Arbeit der Kirche in Freiheit. Alle Aktivitäten, die in der NS-Zeit fruchtbar werden konnten, wurden ausgebaut und auch die Katholische Aktion wurde wieder gegründet. In meinem Tätigkeitsbereich geschah 1950 die Gründung des "Fernkurses für theologische Bildung" aus dem Bedürfnis heraus, dass auch die übrigen österreichischen Diözesen eine ähnliche theologische Bildungseinrichtung, wie sie in der Erzdiözese Wien bestand, haben wollten. Wieder ein schicksalshafter Hinweis: Ich las zufällig in einer Zeitung, dass es in Kanada einen Fernkurs für Ehevorbereitung gäbe und da kam mir blitzartig der Gedanke, dass ja ein solcher Fernkurs auch für Theologie möglich sein müsste. Die Idee wurde von den Letztverantwortlichen aufgegriffen. Die nun viel größere notwendige Zahl an Professoren ließ sich relativ leicht gewinnen; sie kamen aus allen theologischen Fakultäten und Lehranstalten Österreichs, auch aus Brixen (Südtirol) und Rom sowie aus verschiedenen deutschen Universitäten. Besondere Bereitschaft zur Mitarbeit zeigten die Professoren und Dozenten aus dem Orden der Jesuiten. Teilnehmer meldeten sich nicht nur aus allen österreichischen Bundesländern, sondern auch aus der Schweiz, aus Südtirol und vor allem aus Deutschland. Das große Interesse führte im Laufe der Jahre zu eigenen Gründungen in anderen Ländern: zuerst in der Schweiz, dann in Deutschland (zuerst in Düsseldorf, 1970 in Würzburg), in Italien (Rom, Brixen), in Ungarn und Ostdeutschland. Die Zeit der Freiheit brachte für mich auch die ersten Begegnungen mit der Weltkirche. 1951 gab es den ersten Weltkongress für das Laienapostolat in Rom. Dieser und die folgenden von 1957 und 1967 brachten in steigendem Maß Weltkirche in all ihrer Vielfalt zum Tragen. Dieser Wandlungsprozess, den ich da in Rom erfahren konnte, war jedes Mal ein einschneidendes Erlebnis. In Österreich war ein solches 1952 der erste Katholikentag nach dem Zweiten Weltkrieg, an dessen Vorbereitung ich auch beteiligt war. Er führte zur folgenreichen Geltung der "freien Kirche in freier Gesellschaft". Persönlich traf mich 1959 ein Krankheitsfall, demzufolge ich ein halbes Jahr im Spital verbringen musste und auch die kommenden Jahre nicht voll einsetzbar war. Das hinderte aber nicht den bruchlosen Fortgang der Arbeit. Im Jahrzehnt zwischen 1950 und 1960 wurde auch Theologie aus einer größeren Perspektive heraus gesehen, vor allem durch die Kenntnis des Schaffens der großen französischen Theologen. Ohne es zu wissen, waren wir auf dem Weg zum II. Vatikanischen Konzil, das Papst Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962 feierlich eröffnet hat. Erstmals konnten sich alle Interessierten auf dem Weg von Presse, Rundfunk und Fernsehen gleichzeitig mit dem Geschehen darüber informieren. Dadurch wurde das Konzil von 1962 bis 1965 mit seinen sechzehn Dokumenten als erstes wirklich weltweites Konzil erlebt. Während einer Veranstaltung in Rom hatte ich die Gelegenheit, an einem mühsamen Konzilsalltag im Petersdom teilzunehmen, verschiedene Konzilsväter kennenzulernen und den einen und andern auch für die Mitarbeit an den "Theologischen Kursen" zu gewinnen, so z.B. Josef Andreas Jungmann SJ und Josef Neuner SJ. Johannes Österreicher blieb bis zu seinem Tode ein aufrichtiger Freund unserer Arbeit, für die er mir viele neue Einsichten vermittelte. Alois Stöger, der damalige Rektor der Anima und ein langjähriger Mitarbeiter, plante mit mir zusammen ein unvergessliches Seminar in Rom, das im Mai 1965 stattfand. Die Gespräche mit Weihbischof Stöger waren unersetzlich, weil er wie kaum ein anderer die kirchliche Zeitgeschichte kannte. Das Gleiche galt von Burkhart Schneider SJ, dem ich viele Erkenntnisse verdanke. Zu diesem Zeitpunkt war ein ehemaliger Kursteilnehmer, Dr. Fillitz, Leiter des Österreichischen Kulturinstitutes in Rom, der uns mit vielen römischen Persönlichkeiten bekanntmachte. Das Konzil bedeutete für die "Theologischen Kurse" Höhepunkt und Krise. Es war daher für mich eine außerordentliche Herausforderung. Es ging um den Wandel der Theologie und des kirchlichen Lebens, die vermittelt werden mussten. Glücklicherweise wurden die Konzilsdokumente sehr rasch ins Deutsche übersetzt, so dass dadurch authentisch die Ergebnisse vorlagen, die dann vor allem durch die Bischöfe und die Konzilstheologen publik gemacht wurden. Die Leistungen der Professoren, die ihre Skripten überarbeiten mussten, die aber die Neuerungen den Kursteilnehmern nicht einfach zumuten, sondern auch verständlich machen wollten, waren groß. Die Sechzigerjahre waren zudem geprägt von den großen Fortschritten der Andragogik, die auch auf theologischem Gebiet Anwendung finden konnte und musste. 1967 bis 1969 war für die Erzdiözese Wien eine besonders interessante Zeit durch die Wiener Synode, an der neben Priestern auch eine entsprechende Anzahl von Laien und Ordensfrauen beteiligt war. Für mich war schon die Vorbereitung - die Teilnahme an der "Theologischen Kommission" - eine sehr wichtige Zeit. Unter den qualifizierten Teilnehmern waren auch evangelische Professoren, die kompetent ihre Meinung einbrachten. Das Ganze war ein sehr dialogischer Vorgang und machte mich unmittelbar vertraut mit den ökumenischen Anliegen. Um die Synode einer größtmöglichen Zahl von Interessierten nahezubringen, haben wir in den "Theologischen Kursen" zu allen Themen auch Podiumsdiskussionen eingerichtet, in denen die Nachfragen von den verschiedensten Standpunkten aus behandelt wurden. Das Erlebnis dieser Synode selbst war wohl für alle Teilnehmer wichtig. Und vor allem für das durch sie bestimmte kirchliche Leben von Wien. 1973 startete ein ähnliches Unternehmen durch die Österreichsynode. In den 70er Jahren versuchten wir den Interessentenkreis an theologischer Bildung durch zwei neue Kursmodelle zu erweitern. 1970 startete der neunmonatige "Glaubenskurs", nicht fächerig, sondern heilsgeschichtlich aufgebaut, 1975 gab es mit dem "Glaubensseminar", das nach dem Credo in vier Blöcken angeboten wurden, ein sehr begehrtes Modell - zunächst am Stephansplatz, dann in vielen Pfarren. Auch im Ausland fand das Modell viel Zuspruch: In Südtirol meldeten sich hundert Pfarren für den ersten Block; für Ungarn wurde das zugrunde liegende von uns herausgegebene Buch in die Landessprache übersetzt. Eine entscheidende Neuerung waren im kommenden Jahrzehnt zwei Kurse, in denen es um die Gewinnung und Schulung von Multiplikatoren ging, um Kurse also, in denen erstmals Priester und Laien sowohl als Teilnehmer als auch als Leitungsteam zusammenarbeiteten. 1971 begannen wir mit dem "Didaktischen Kurs für Multiplikatoren", dem 1979 als Spezialfall "Glaubend älter werden, Didaktischer Kurs für Multiplikatoren" folgte. Parallel zur Entwicklung der "Theologischen Kurse" lief die auf dem Gebiet des von mir geleiteten Referats "Buch und Schrifttum". Der Kürze halber können nur einige Aktivitäten genannt werden: 1947 die Gründung der Besprechungszeitschrift "Die Zeit im Buch", die auf dem jahrelangen Versuch gründete, wichtige Neuerscheinungen vorstellen zu lassen durch Rezensenten, die sowohl über entsprechende Fachkompetenz, als auch über einen christlichen Wertemaßstab verfügten, die die Zeichen der Zeit zu erkennen wussten und die die Verantwortlichen in der Bildungsgesellschaft bei der Leseanregung verschiedener Kreise unterstützen konnten. 1951 erfolgte die Gründung des Fernkurses "Lehrgang für Bücherkunde", in dem Fachleute aus den verschiedensten Bereichen der Erwachsenenliteratur sowie der Kinder- und Jugendliteratur ihr theoretisches und praktisches Wissen zu Sprache, Text, Literatur, zum literarischen Leben, zu Autoren usw. einbrachten. In den Studienwochen, Wochenendseminaren und Abendseminaren konnten die Teilnehmer Anregung durch erfahrene Teams bekommen. Ab 1955 gab es jährlich Philologenwochen, in denen sich Fachphilologen ihre eigene Weiterbildung holten und die später auch vielfach zu Mitarbeitern wurden. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gab es wenige Gebiete der Literatur aus Vergangenheit und Gegenwart und auch wenige Interessentengruppen, die nicht in die kreative Auseinandersetzung und Gestaltung einbezogen worden wären. 1980 trat ich in den Ruhestand und legte damit die Leitung der "Theologischen Kurse" zurück. Den Bereich "Buch und Schrifttum" betreute ich weiter bis 1985 und die Zeitschrift "Die Zeit im Buch" bis 1996. Alle Aktivitäten in beiden Bereichen werden weitergeführt. Die Bemühungen, Laien kompetent nebenberuflich in die Theologie einzuführen, haben weltweit zu Neugründungen in verschiedenen Ländern geführt, so dass sich daraus ein unüberschaubares Potential ergab. Nicht zuletzt ist das Konzil und seine Wandlung des kirchlichen Lebens vermutlich der Anlass gewesen, dass seit 1970 etwa der Zugang zu den theologischen Fakultäten und Lehranstalten weit geöffnet wurde, so dass seither Laien (und unter ihnen mehr Frauen als Männer) dieselbe theologische Ausbildung erhalten können wie Priesteramtskandidaten. Noch nie in der Kirchengeschichte waren so viele nicht geweihte Theologen am Werk, wie etwa heute, und zwar in unterschiedlichsten Positionen: Als Religionslehrer in allen Schulgattungen, als Assistenten an den Universitäten und Lehranstalten, als Pastoralassistenten, als Leiter kirchlicher Zentralstellen, als Pfarrgemeinderatsmitglieder, als Diakone, als mit verschiedenen Aufgaben betreute Mitglieder der Ordensgemeinschaften, als ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter usw. Es ist kaum vorstellbar, wie ohne diese zahllosen Laientheologen und -theologinnen das kirchliche Leben in der heutigen Gesellschaft fruchtbar bestehen könnte. Mein persönliches Leben ist geprägt durch diese gesamte Entwicklung in der Kirche durch sechs Jahrzehnte hindurch. Dankbar bin ich vor allem für die Aufgaben, die man mir anvertraut hat und die große Anforderungen waren. Und nichts von allem habe ich allein gemacht, immer hatte unsere Arbeit Teamcharakter. Ich bin dankbar für das Vertrauen der Bischöfe, für die vielfältige Mitarbeit vieler Fachleute auf den verschiedenen Gebieten. Ebenso dankbar bin ich für die Mitarbeiterinnen in den Sekretariaten, die sich zum Teil zu einem weit überdurchschnittlichen Engagement bereit fanden. Unzählige Gespräche mit Teilnehmern waren nicht nur informativ und aufschlussreich, sondern wichtig für mein Leben und jeden Einsatz rechtfertigend. In der Zeit meiner Verantwortung konnten wir in beiden Bereichen - Theologie und Literatur - mehr als 40.000 Teilnehmer erreichen. Nicht mit allen war eine persönliche Begegnung möglich, aber doch mit relativ vielen. Als ich 1983 einen lebensbedrohenden Verkehrsunfall hatte, tröstete mich eine Welle von Anteilnahme. Einige Jahren waren mir dann geschenkt, um privat Gesprächskreise in meiner Wohnung anzubieten. Auch die Verbindung zu den drei Generationen der Großfamilie, aus der ich komme, konnte intensiviert werden und gegenseitig Freude machen. In der jetzigen Lebens- und auch Leidensphase stehen mir wie auch in früheren Bedrängnissen Freunde bei, vor allem Elisabeth Duscher - wir arbeiteten in den Kursen 25 Jahre zusammen. Ich empfinde sie als ein Geschenk vom Himmel. Trotzdem wird mit zunehmenden Jahren der Kontakt zum früheren Leben schwächer und es beginnt - so würde Erich Przywara gesagt haben - "die Karriere nach unten", in der sich die Kraft in der Schwäche zeigen sollte. Theresia von Lisieux hat sie uns vorgelebt. Veröffentlicht in: JETZT. Frauen auf dem Weg des Evangeliums. Kirche - Ordensleben - Geistliche Gemeinschaften, Jahrgang 1996, Heft 3, S. 18-25.

Margarete SCHMID, 1914 in Innsbruck geborene Gründerin und langjährige Leiterin der THEOLOGISCHEN KURSE, ist am 11. Jänner 1997 83-jährig gestorben. Margarete Schmid hat in Innsbruck Philosophie studiert – das Theologiestudium war damals für Laien nicht möglich – und im Dezember 1937 promoviert. Anfang des Jahres 1938 ging sie nach Wien, um in der Katholischen Aktion Initiativen apostolischer Wirksamkeit zu entwickeln. Trotz der von den Nationalsozialisten verfügten Auflösung aller kirchlichen Vereine setzte Margarete Schmid unter dem persönlichen Schutz von Kardinal Theodor Innitzer ihre Arbeit fort und gründete in kirchlichem Auftrag 1940 das „Theologische Laienjahr“, die späteren Theologischen Kurse. Ungeachtet des persönlichen Risikos führte sie zudem in ihrer Wohnung den „Schmid’schen Salon“, wo namhafte Theologen und Philosophen wie Karl Rahner, Romano Guardini, Alfred Delp, Erich Przywara u. a. geistigen Austausch pflegten. Nach Öffnung des Studiums für Nichtkleriker studierte Margarete Schmid in Wien Theologie (Promotion 1956); bis 1980 blieb sie die Leiterin der Theologischen Kurse und unterhielt bis ins Alter private theologisch-philosophische Gesprächskreise. Die THEOLOGISCHEN KURSE verstehen das Motto ihrer Gründerin „den Glauben auf jenem Niveau zu bedenken, auf dem man auch sonst zu denken gewohnt ist“ als bleibend und je neu aktuellen Anspruch und bewahren ihr ein ehrendes Andenken.

 

Margarete Schmid: Der Text meines Lebens

Rudolf Schwarzenberger 1937 - 2018 » zur Person
Dr. Rudolf Schwarzenberger
1937 - 2018
Ferdinand Staudinger 1933 - 2018 » zur Person
Prof. Dr. Ferdinand Staudinger
1933 - 2018
Reinhold Stecher 1921 - 2013 » zur Person
Dr. Reinhold Stecher
1921 - 2013
zur Person

Altbischof Reinhold STECHER, Ehrenfreund und langjähriger Dozent bei den THEOLOGISCHEN KURSEN, ist am 29. Jänner 2013 im 92. Lebensjahr in Innsbruck gestorben. Er war Seelsorger, Religionslehrer, Spiritual sowie von 1981 bis 1996 Bischof der Diözese Innsbruck und hat von den 50-er bis in die 70-er Jahre auf unzähligen Fernkurs-Studienwochen im In- und Ausland referiert. Reinhold Stecher war seiner Zeit oft voraus: im Eintreten für Benachteiligte - Laien, Frauen oder Asylwerber - ebenso wie in der offenen Wahrnehmung pastoraler und kirchlicher Notstände und eines bischöflichen Führungsstils im Geist des Miteinander. Seinen Wahlspruch "Dienen und vertrauen" hat er konsequent gelebt und dadurch viele Menschen ermutigt. Bis zuletzt war Altbischof Dr. Reinhold Stecher den THEOLOGISCHEN KURSEN verbunden, die ihn und sein beispielhaftes Wirken in dankbarer Erinnerung behalten.

 

Bischof Stecher zeichnet die THEOLOGISCHEN KURSE.

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