Der Verein der FREUNDE der THEOLOGISCHEN KURSE sieht es als seine Aufgabe, die THEOLOGISCHEN KURSE in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Wie lange lehren Sie schon bei den Theologischen Kursen?
Seit fünf Jahren lehre ich bei den Theologischen Kursen. Begonnen habe ich im Sommer Sommer 2022 mit einem Fernkurs in Tainach, inzwischen bin ich überwiegend bei den Kursen am Stephansplatz im Einsatz.
Welches Fach tragen Sie bei den Theologischen Kursen vor?
Theologie der Spiritualität
Was ist Ihnen im Theologischen Kurs in Ihrem Fach besonders wichtig?
Im Unterschied zu eher „kopflastigen“ Fächern bietet die Spiritualität die Möglichkeit, den Reichtum spiritueller Traditionen mit der eigenen (Glaubens-)Biographie in Beziehung zu bringen. Ich schätze am Fach Spiritualität gerade diese lebensnahe, konkrete Ausrichtung. Daher ist mir wichtig, dass die Teilnehmenden nicht nur Kenntnisse über verschiedene historische Spielarten von Spiritualität bekommen, sondern spüren: Dieses Fach hat etwas mit mir zu tun. Es freut mich, wenn sie nicht nur Wissen mitnehmen, sondern auch einen Text, einen Gedanken, eine Persönlichkeit, die sie über den Kurs hinaus begleitet.
Haben Sie selbst beim Lehren im Theologischen Kurs auch neue Einsichten gewonnen?
Unbedingt! Da ist zum einen die Vertiefung in Inhalte, oft angeregt durch Rückfragen von Teilnehmenden, die noch mehr wissen wollen. Vor allem lerne ich von den sehr unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmenden, die Inhalte oft auf unkonventionelle Weise deuten oder sehr persönlich mit ihren Lebenserfahrungen verknüpfen. Dann ertappe ich mich dabei zu denken: Aha, so habe ich das noch nicht gesehen!
Welche Erfahrung bei den Theologischen Kursen haben Sie in besonders guter Erinnerung?
Mein erster Fernkurs in Tainach gehört sicherlich zu meinen Highlights bei den Theologischen Kursen. Die wertschätzende Atmosphäre, der gute Austausch, die persönlichen Kontakte und das gemeinsame Lachen – daran denke ich gerne zurück!
Welche theologische Frage beschäftigt Sie zurzeit am intensivsten?
Gerade arbeite ich an einem Forschungsprojekt im Grenzbereich zwischen Musik und Theologie. Wie kann Musik den Glauben in einer zeitgemäßen Ausdrucksweise zum Klingen bringen und welche Impulse bieten Musikstücke für das theologische Nachdenken über Gott? Dabei beschäftige ich mich mit der Sequenz „Dies irae“ über das Jüngste Gericht – vom Zweiten Vatikanischen Konzil aus der Liturgie verabschiedet, im Musikleben, Filmschaffen und apokalyptischen Lebensgefühl vieler Menschen jedoch hoch präsent und aktuell. Was bedeutet das heute für die theologische Rede vom Jüngsten Gericht?
Von welcher/welchem Theologin/Theologen haben Sie am meisten gelernt?
Es gibt einige Theologinnen und Theologen, von deren Art zu denken, von deren Offenheit und Spiritualität ich viel gelernt habe. Mich faszinieren auch „Grenzgänger:innen“, die sich um die Vermittlung von Glaubensinhalten in Kultur, in die säkulare Welt bemühen.
Ihre aufregendste Bibelstelle?
Da gibt es einige, die ich nennen könnte. Mich persönlich spricht die Begegnung zwischen Jesus und Zachäus an (Lk 19,1-19): Zachäus, der – getrieben von einer Sehnsucht – auf dem Baum versteckt in Beobachterposition hockt und von Jesus gesehen, angesprochen und auf den Boden heruntergeholt wird, ermutigt wird zu konkreten Schritten der Nachfolge, die seinem Leben eine ganz neue und erfüllende Ausrichtung geben.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Mich begleitet die Lektüre von Meinrad Walter, Das klingende Kirchenjahr. Zu jedem Sonn- und Festtag wird ein Musikstück vorgestellt und zum Bibeltext in Beziehung gesetzt. Ein sehr schönes Buch, das mancherlei neue Perspektiven eröffnet.
Welche Musik hören Sie gerne?
Am liebsten höre ich klassische Musik. Hier schlägt meine musikalische Vergangenheit durch, ich habe neben der Theologie auch Musik (Cello) studiert. Bach, Schubert, Brahms, Mendelssohn… aber auch Komponisten des 20. Jahrhunderts und zeitgenössische Musik finde ich sehr spannend, mit Olivier Messiaen z.B. habe ich mich sehr eingehend beschäftigt.
Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Ich höre und spiele gerne Musik! An den Wochenenden verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie, wir haben zwei Kinder im Schulalter.
Wo fühlen Sie sich kirchlich zu Hause?
Kirchlich zu Hause fühle ich mich überall dort, wo ich einen guten Geist spüre, wo ich eine wertschätzende Gemeinschaft erlebe, die auch Neues wagt und Freude am Glauben hat. Das waren und sich in meinem Leben unterschiedliche kirchliche Orte.
Mit wem würden Sie gerne einmal einen ganzen Tag verbringen?
Mit Freunden aus meiner Freiburger Studentenzeit.
Welches Ziel wollen Sie noch erreichen?
Dass ich irgendwann einmal zufrieden und dankbar auf mein Leben zurückblicken kann!
Herzlichen Dank für Ihre Antworten!
Zur Person: Dipl. Mus. Dipl.-Theol. Dr. Dorothee BAUER, geb. 1983, studierte in Freiburg i. Br. Musik (Violoncello) und katholische Theologie. In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit einer Orgelkomposition des französischen Komponisten Olivier Messiaen über das Mysterium der Eucharistie. Seit 2021 ist sie Postdoc-Assistentin am Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Wien und seit 2017 als Assistentin im Büro von Kardinal Schönborn tätig. Ihr Interessenschwerpunkt liegt auf der Verbindung von Musik und Theologie. Seit 2022 lehrt sie bei den THEOLOGISCHEN KURSEN Theologie der Spiritualität.