Editorial - Kirchenlehrerinnen

Liebe Leserin! Lieber Leser!
Zwischen Charisma und Kontrolle verläuft eine schmale Linie, auf der die Kirchenlehrerinnen der Geschichte balancieren mussten. Diesem Spannungsfeld widmet sich der Fokus dieses Heftes. Hildegard von Bingen, Teresa von Ávila, Caterina von Siena oder Thérèse von Lisieux stehen heute für geistliche Autorität – doch ihr Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich. Ihre Legitimation speiste sich nicht aus Amt oder Studium, sondern aus Erfahrung: Vision, Gebet, existenziellem Vollzug. Gerade das machte sie zugleich wirkmächtig und verdächtig.
Die Kirche, die sie schließlich ehrte, brachte sie zuvor in Gefahr. Marguerite Porète wurde verbrannt, andere mussten sich vor der Inquisition verantworten. Die Anerkennung von Gott „eingegossener“ Weisheit öffnete zwar Türen, blieb aber an Bedingungen geknüpft: Demut, Gehorsam, Einordnung.
wirkmächtig und verdächtig
Heute wirkt diese Ambivalenz nach. Die Auszeichnung zur Kirchenlehrerin ehrt primär hervorragende Lehre, nicht individuelle Heiligkeit. Wenn Leben selbst zur Lehre erklärt wird, stellt sich die Frage nach theologischer Substanz neu. Gerade darin liegt die Herausforderung: nicht nur charismatische Einzelstimmen zu kanonisieren, sondern die Stimme von Frauen als integralen Teil kirchlicher Theologie anzuerkennen.
Kursangebot 2026/27
Diese Aspekte können Sie auch im Spezialkurs „Kirchenlehrerinnen“ (ab 12. Oktober 2026) vertiefen. Er steht exemplarisch für unsere neuen Spezialkurse ab Herbst. Das Gesamtprogramm 26/27 ist diesem Heft beigelegt. Das Spektrum reicht von „Thomas von Aquin“ und „Augustinus“ über „Apokalypse und Antichrist“, „Spiritualität der Orden“ und „Synodalität“ bis „Jesus Christus – Heiland und Erlöser“. Die Asynchrone Online-Module widmen sich neben Bibel-Griechisch vor allem theologischen Basics. Studienreisen führen nach Sizilien und Moldau. Die Lehrgänge Theologie gibt in gewohnter Form vor Ort in Wien, Online und als Fernkurs. Kurse mit Studienwochenenden starten in Salzburg, St. Pölten und Batschuns.
Ich bin davon überzeugt, dass Sie in unserem Programm 26/27 fündig werden. Wir freuen Sie auf Sie!
Herzlich,
Ihr Erhard Lesacher
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