Freitag 14. Dezember 2018

Erkennen,

was dahinter steckt.

Bericht Eröffnung der AKADEMIE am DOM

1. Festakt zur Eröffnung der AKADEMIE am DOM

 

Am 6. Oktober um 17.00 Uhr wurde die AKADEMIE am DOM in 1010 Wien, Stephansplatz 3 eröffnet - eine neue Bildungsinitiative der Wiener Theologischen Kurse: ein Forum des interdisziplinären Dialogs zwischen Kirche, Religion, Wissenschaft und Kultur. Festredner waren Kardinal Dr. Christoph Schönborn und Altbundespräsident Dr. Heinz Fischer. An der Eröffnung nahmen Vertreter aus Politik und Bildung teil, u. a. der Bezirksvorsteher MMag. Markus Figl, die Direktorin der Evangelischen Akademie Wien Kirsten Beuth, der Direktor der Katholischen Akademie in Berlin Joachim Hake sowie Professoren Theologischen Fakultät der Universität Wien.

 

Für den Leiter der AKADEMIE, Mag. Erhard Lesacher ist schon der Name der AKADEMIE als Programm zu verstehen. Er verwies auf „die doppelte Bedeutung des Namens ‚am Dom‘: der Stephansdom ist eine religiöse, zugleich aber eine kulturelle Größe – im Zentrum der Kirche und im Zentrum der Stadt Wien.“ Das Programm der AKADEMIE richtet sich nicht nur: „an Katholikinnen und Katholiken, sondern an alle Personen, die an kirchlich-religiösen, wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlich-politischen Diskursen interessiert sind.“

 

Altbundespräsident Fischer definierte in seiner Rede „Bildung verbindet. Zum Verhältnis von Bildung und Gesellschaft“ Bildung als Erwerb von Wissen, zugleich aber auch Aneignung von Werten. Beides sei notwendig zur Orientierung und für friedliche, nachhaltige Lösungen gesellschaftlicher Probleme. Nach den Worten Fischers sind ein religiös begründetes Wertefundament einerseits und Offenheit für Pluralismus andererseits keine Gegensätze, sondern würden einander ergänzen: „Es schadet den eigenen Überzeugungen nicht, wenn sie mit anderen Überzeugungen in Verbindung gebracht werden, wenn das Wissen erweitert wird und dadurch die Möglichkeit zur Vertiefung und Verfeinerung, aber auch vielleicht zur Vermeidung von Irrwegen geschaffen wird. Ein Wertefundament auf der einen Seite, sowie Offenheit und Pluralismus andererseits, sind keine Gegensätze, sondern ergänzen einander. Und Bildung schafft dem jene Grundlagen, die für diesen wichtigen Prozess besonders wertvoll sind.“

 

Erzbischof Dr. Christoph Kardinal Schönborn prognostizierte der neuen Akademie eine spannende Zukunft und betonte in seinem „Geistlichen Wort zur Eröffnung“, dass nach dem Verständnis der jüdisch-christlichen Tradition der Dialog die Grundform des Suchens nach Wissen und Wahrheit ist. Dabei gehe es neben dem Austausch zwischen den Menschen auch um den Dialog mit Gott. „Die AKADAMIE am DOM sollte vor allem eine Möglichkeit sein, Menschen zu sammeln, die etwas zu sagen haben, und die in einen spannenden, ehrlichen Diskurs miteinander eintreten.“

 

2. Eröffnungs-Symposium „Das Christentum als Bildungsreligion“

 

Anschließend an den Festakt fand ein Symposium mit dem programmatischen Titel „Das Christentum als Bildungsreligion“ statt. Es referierten Prof. Dr. Thomas Söding (Bochum) und Prof. Dr. Andrea Lehner-Hartmann (Wien). Nach der thematischen Einleitung von Mag. DDr. Ingrid Fischer, der Programleiterin der AKADEMIE am DOM, suchte Prof. Söding in seinem Vortrag „Ein Glaube, der zu denken gibt. Das Christentum als Bildungsreligion“ eine Antwort auf die Frage, ob Glaube und Bildung zusammengehören. Oder hatte Friedrich Nietzsche Recht, wenn er sagt, dass die Christen ihre Unbildung spirituell kaschieren wollen? Das Neue Testament setzt – anders als es Fundamentalisten annehmen – auf Glauben und Verstehen, auf Diskussion und Aufklärung. Paulus versteht seine Aufgabe als Dienst an der Glaubenserkenntnis. Der Glaube macht nicht dumm, sondern öffnet die Augen für Gott und die Welt. Glaube ist zwar nicht einfach Wissen, aber wohl eine begründete Überzeugung. Die Bildung aus der christlichen Perspektive ziele nicht nur auf Alphabetisierung, auf Wissensvermehrung und Kompetenzsteigerung, sondern auf Persönlichkeitsbildung, auf Herzensbildung. So hat religiöse Bildung nicht nur eine innerkirchliche Funktion, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche, indem sie Bildung nicht auf Funktionalismus reduzieren lässt und das Wissen in einen Horizont von Ethos, Glaube und Vernunft stellt.

 

Prof. Lehner-Hartmann widmete sich in ihrem Vortrag „Religiöse Bildung in einer pluralen Gesellschaft“ der Frage nach dem Ort der religiösen Bildung in der heutigen Gesellschaft. Wird der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen noch ernst genommen? Soll religiöse Bildung überhaupt aus Bildungseinrichtungen draußen gehalten werden, wie es zunehmend gefordert wird? Ein ganzheitliches Bildungskonzept macht deutlich, dass die Zurückdrängung religiöser, musischer und geisteswissenschaftlicher Bereiche nicht zielführend sei. Bildung darf nicht nur profitorientiert sein. Ein von Lehner-Hartmann postuliertes transformatives Bildungsverständnis zielt auf eine weitreichende Veränderung des Selbst- und Weltverständnisses. Es ermöglicht die Einübung in den Umgang mit Unsicherheiten und Ungewissheiten, es zeigt, dass man das Störende und das Schwierige nicht einfach meiden oder verdrängen soll. Es ermöglicht eine permanente Selbstkritik und Selbstaufklärung und schützt auf diese Weise vor Fundamentalismen. Das Ziel einer solchen Bildung ist kritisches, selbständiges Denken und die Fähigkeit zum Argumentieren. Abschließend äußerte sie den Wunsch, „dass die Akademie am Dom solch einen zentralen Ort des Zuhörens auf den Anderen, des Impulses für transformative Bildungsprozesse, des argumentativen Aushandelns unterschiedlicher Positionen religiöser und weltanschaulicher Verortung mit dem Ziel des Beitrags für das friedliche Zusammenleben unter demokratischen Bedingungen inmitten einer Stadt pulsierenden pluralen Lebens abgeben kann, sei ihr vom Herzen gewünscht“

 

Das anschließende Podiumsgespräch der beiden Vortragenden moderierte Christoph Riedl-Daser (ORF).

 

3. Selbstverständnis der AKADEMIE am DOM

 

Die Wiener Theologischen Kurse, eine Institution der Erwachsenenbildung der Erzdiözese Wien mit fast 80-jähriger Tradition, bieten neben einer zweijährigen theologischen Ausbildung und seminarartigen Spezialkursen in der AKADEMIE am DOM öffentliche Einzelvorträge und Podiumsveranstaltungen zu aktuellen theologischen und gesellschaftlichen Fragen an.

 

Die AKADEMIE am DOM steht in der Tradition der von Kardinal Innitzer 1945 als Ort des Dialogs zwischen Wissenschaft und Glauben gegründeten Wiener Katholischen Akademie. In der Nachfolge dieser Institution richtet sich das Programm der AKADEMIE am DOM nicht nur an Katholikinnen und Katholiken, sondern an alle Personen, die an kirchlich-religiösen, wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlich-politischen Diskursen interessiert sind.

 

Leiter Mag. Erhard Lesacher: „Die AKADEMIE am DOM ist ein Ort der geistigen Auseinandersetzung und lädt daher auch Menschen ein, die sich der Kirche nicht zugehörig fühlen. Sie soll ein Forum des interdisziplinären Dialogs zwischen den Welten von Kirche, Religion, Wissenschaft und Kultur sein und Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenführen. Ausgedrückt wird das im Namen der AKADEMIE am DOM – der Dom ist eine religiöse, aber auch eine kulturelle Größe, ein Zentrum der Kirche und ein Zentrum der Stadt“.

 

Die THEOLOGISCHEN KURSE sind eine Bildungseinrichtung der katholischen Kirche Österreichs. Lesacher: „Unsere Kurse sind ein Ort der Reflexion über die großen Fragen des Lebens und des Glaubens, ermöglichen Orientierung und bieten Argumente in der Pluralität der Meinungen. Das Christentum hat eine große Bildungstradition. Heutige Theologie zielt auf einen intellektuell fundierten und dialogfähigen Glauben und steht so gegen defensive Glaubenshaltungen und Fundamentalismus“.

 

Imagefilm AKADEMIE am DOM, 2:40 Min. (zum Film).

 

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Reinhold Esterbauer: Der entschwundene Gott

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