Dienstag 18. Dezember 2018

Erkennen,

was dahinter steckt.

Bericht zum ökumenischen Studiennachmittag

Kathweb hat folgenden Bericht über unseren ökumenischen Studiennachmittag veröffentlicht, der am 1. März 2013 bei uns stattgefunden hat.

Tagung: Ohne Selbstkritik kein Ökumene-Fortschritt

 

Russisch-orthodoxe Liturgiewissenschaftlerin Larin und evangelische Oberkirchenrätin Reiner bei ökumenischem Studientag in Wien

 

Wien, 04.03.2013 (KAP) Ohne die Fähigkeit zu Selbstkritik und den Mut zu Reformen kann es in der Ökumene keine Fortschritte geben. Diese Überzeugung vertrat die russisch-orthodoxe Ordensfrau Vassa Larin bei einem ökumenischen Studiennachmittag der "Theologischen Kurse" und der Stiftung "Pro Oriente" in Wien. Es brauche "den Mut, die Wahrheit zu sagen", sonst blieben notwendige Veränderungen aus, so die orthodoxe Liturgiewissenschaftlerin und Nonne.

 

Die Ordensfrau nahm dabei vor allem ihre eigene Kirche in die Pflicht. So werde der Begriff der Tradition in der russischen Orthodoxie nicht dynamisch gesehen, überdacht gehöre weiters die Stellung der Frau in der Kirche. Auch der Umgang mit den Mitgliedern der Punkband Pussy Riot, die nach einer Protestaktion in der Moskauer Erlöserkathedrale zum Teil langjährige Haftstrafen absitzen müssen, sei unangemessen, so Larin.

 

Die Orthodoxie als Ganze brauche dringend ein panorthodoxes Konzil, um wichtige interne strukturelle Fragen zu klären und im Anschluss gestärkt in den weiteren ökumenischen Prozess gehen zu können. Reformen seien immer auch ein "Zeichen des Mutes und der Stärke des Glaubens", so Larin, "denn wer stark ist im Glauben braucht auch keine Angst davor zu haben, äußerliche Regeln zu verändern".

 

Larin ist Liturgiewissenschaftlerin und Assistentin am Institut für Historische Theologie der Universität Wien; weiters u.a. Gründungsmitglied der Society of Oriental Liturgies und der Pro Oriente Kommission Junger Orthodoxer und Katholischer Theologinnen. Sie ist Spezialistin für östliche und westliche Liturgietraditionen und forscht und lehrt auch in Rom und den USA.

"Sehnsucht zur Einheit"

 

Von einer "Sehnsucht zur Einheit" wollte Oberkirchenrätin Hannelore Reiner auf für ihre evangelische Kirche sprechen. Am Beispiel des Bischofsamtes ortete Reiner "ein Zusammenrücken der christlichen Kirchen", da das Amt mittlerweile in allen Kirchen die "weltliche Macht" eingebüßt habe, und "nur noch durch Gottes Wort leite", so die evangelische Oberkirchenrätin. Sie wies zugleich aber auch darauf hin, dass aus evangelischer Sicht jeder getaufte Christ "Mitverantwortung an der Gestalt der Kirche" trage, und somit auch Leitungsverantwortung innehabe.

 

Reiner unterstrich in diesem Zusammenhang, dass in der evangelischen Kirche die Personen in ihre Ämter gewählt werden. Dieser "Schatz des Wahlrechtes" werde inzwischen jedoch zu wenig gewürdigt, räumte sie ein - unter Verweis auf so manch niedrige Wahlbeteiligung in den Kirchengemeinden.

 

"Gute Leitung" bedeute aus evangelischer Sichtweise "aufmerksames hören, dann erst leiten" so Reiner, die auch die Bedeutung der regelmäßigen Mitarbeitergespräche und der engen Verbindung zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern hervorhob.

Insgesamt stehe in der evangelischen Kirche die Kollegialität im Vordergrund, obliege dem Pfarrer doch "gemeinsam mit seiner Gemeinde" die geistige Leitung der Kirche, erklärte Reiner. Zum Frauenpriestertum sagte sie, dass mittlerweile rund ein Drittel aller evangelischer Pfarren von Frauen betreut werde, Tendenz "weiterhin steigend".

 

Der ökumenische Studiennachmittag stand unter dem Thema "Wer verwaltet das Haus Gottes - Amt und Leitung in den christlichen Kirchen". Die vorgesehene katholische Referentin, Prof. Sabine Demel, Professorin für Kirchenrecht an der Universität Regensburg, musste ihre Teilnahme kurzfristig absagen.

Reinhold Esterbauer: Der entschwundene Gott

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