Erkennen,

was dahinter steckt.

Dranbleiben an den Fragen, die die Menschen bewegen

 

Herr Weihbischof, was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie „THEOLOGISCHE KURSE“ hören?

 

WB Leichtfried: Spontan freue ich mich, wenn ich dieses Wort höre, denn es ist eine wunderbare Einrichtung, eine Möglichkeit für viele Erwachsene, sich mit dem eigenen Glauben tiefer auseinander zu setzen. Es gibt ja mehrere Ebenen im Glauben: eine ist, was ich denke, eine mein Herz und eine, was tue ich? Da gehört aber auch der Kopf dazu, dass ich da nachdenken oder mir Rechenschaft geben kann. – Und es ist österreichweit eine wunderbare Einrichtung.

 

Gibt es eine persönliche Erfahrung mit den THEOLOGISCHEN KURSEN?

 

Ja, die habe ich. Ich habe selber mehrere Jahre auch Vorträge gehalten und Vorlesungen und Kurse gestaltet, das war immer sehr erfreulich, weil die Leute sehr interessiert waren. Die wollten was wissen, die wollten was haben, und das hat mich herausgefordert. Und das gleichzeitig auf eine möglichst einfache Weise darzustellen – einfach heißt aber nicht, dass es primitiv ist, sondern dass es wesentlich ist – das ist eine Herausforderung. Da muss ich selber reflektieren und soweit kommen, dass ich es ganz einfach sagen kann – dass sie sagen: Ja, das stimmt.

 

Welches Fach haben Sie denn unterrichtet?

 

Das war damals Spiritualität – und das ist ein interessantes Grenzgebiet von Glauben, Leben und Beten. Das ist jetzt keine Anbetungsstunde, das ist aber auch nicht nur ein theologischer Vortrag, sondern das Nachdenken über meine eigene Spiritualität. Spiritualität ist heute fast ein Allerweltswort geworden, und dem als gläubiger Katholik und reflektierter Christ nachzugehen und es dann umso freudiger und konkreter zu leben, das finde ich eine schöne Aufgabe.

 

Warum ist Ihrer Meinung nach theologische Bildung für „Laien“, so wie die THEOLOGISCHEN KURSE sie anbieten, wichtig?

 

Die Gesellschaft in unseren Breiten – oder die Gesellschaften – sind bunter geworden, vielfältiger geworden. Das gibt uns viele Freiheiten, es gibt aber auch viele Fragen, die damit verbunden sind: Eigentlich ist nichts mehr selbstverständlich. Ich muss mich selber fragen: Warum mache ich das – und warum mache ich nicht jenes? Im ganz alltäglichen Leben und im Glauben. Und auch im Glauben: Warum glaube ich das – warum glaube ich das nicht? Kann ich das glauben, so dass ich vor mir selber und vor meinen Arbeitskollegen und vor meinen Nachbarn und meiner Verwandtschaft bestehen kann? Wenn mir der Glaube wichtig ist, brauche ich auch ein gutes Gerüst, einen Hintergrund, eine Reflexion, dass ich das gut verantworten kann, die Gründe meiner Hoffnung besser benennen kann; wie ich das dann in der Diskussion schaffe, ist nochmal etwas anderes, aber dass ich es vor mir selber rechtfertigen und leben kann, auch für andere.

 

Was wünschen Sie den THEOLOGISCHEN KURSEN zum Geburtstag, und wie sollen wir uns in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

 

WB Leichtfried: Zum Geburtstag sagt man „herzlichen Glückwunsch!“ – in dem Sinn, dass ich zurückschaue, voller Dankbarkeit. Gratulieren – vom lateinischen her, hat etwas mit Dankbarkeit zu tun. Danke – für das, was da geschehen ist in den letzten Jahren: Für wie viele Menschen in ganz Österreich ist da Gutes geschehen, das geholfen hat, dass Glaube, Hoffnung und Liebe von vielen Menschen noch konkreter, noch deutlicher gelebt werden kann. Vor zwanzig Jahren waren andere Herausforderungen als heute und ich bewundere da auch die THEOLOGISCHEN KURSE, wie sie aktuell auf Fragestellungen eingehen, die jetzt wichtig sind. Und das ist das Schöne bei den THEOLOGISCHEN KURSEN: Sie fragen ganz ungeschminkt, da kommt man sehr schnell zu sehr konkreten Fragestellungen und auch Antworten, gelebten Antworten, die man auch annehmen kann.

 

In diesem Sinn weiterzuarbeiten wäre Ihr Zukunftsauftrag?

 

Genau. Es heißt: Glauben heute leben, und heute ist etwas anderes als morgen. Und morgen oder in fünf Jahren dranbleiben an den Fragen, die die Menschen bewegen, damit das Evangelium, damit Christus zu immer mehr Menschen einen Kontakt bekommt und das Leben bestimmt und prägt.

 

Herr Weihbischof, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Sehr gern.

 

Weihbischof Dr. Anton LEICHTFRIED, Diözese St. Pölten, lehrt Theologie der Spiritualität, Vorsitzender des Kuratoriums seit 2008

THEOLOGISCHE KURSE

Stephansplatz 3
1010 Wien
+43 1 51552-3703
office@theologischekurse.at
Darstellung: