Erkennen,

was dahinter steckt.

Eine legitim weiterentwickelte Theologie anbieten

 

Herr Weihbischof, was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie „THEOLOGISCHE KURSE“ hören?

 

Dr. Margarete Schmid! Eine Frau, die zu einer Zeit, wo Frauen gar nicht Theologie studieren durften, in Innsbruck Philosophie studiert hat, um auf diesem Umweg zu Theologie zu kommen und die dann später das Doktorat der Theologie gemacht hat und die ich seit Jahrzehnten gekannt habe. Sie hat die THEOLOGISCHEN KURSE gegründet, nicht nur für Österreich, sondern im Sinne des Fernkurses auch für das deutsche Sprachgebiet. So ist sie für mich eine Vorreiterin, eine selbstbewusste Frau in der Kirche, die aber nicht um Rechte gekämpft hat, sondern ganz einfach ihre Fähigkeiten ausgenützt hat. Sie war eine hervorragende Theologin und war sich auch bewusst, dass man erwachsenen Leuten für die Reflexion ihres eigenen Glaubens auch die entsprechenden Angebote geben soll.

 

Gibt es eine persönliche Erfahrung mit den THEOLOGISCHEN KURSEN – eine Anekdote – die Sie uns erzählen können?

 

Dr. Margarete Schmid war immer bedacht, eine legitim weiterentwickelte Theologie anzubieten – daher war sie auch mit der Auswahl ihrer Referenten überaus streng. Sie hat sich immer gerühmt, dass unter ihren Referenten nicht wenige Bischöfe geworden sind – Kardinal König, und Bischof Stecher, Bischof Moser und ich selber. Uns hat immer beeindruckt, mit welcher Gewissenhaftigkeit sie da über die Theologie gewacht hat.
Das zweite: Sie hat wunderbar gekocht, und hat uns des Öfteren auch zu sich in die Wohnung eingeladen, wo es nicht nur gutes Essen, sondern immer auch sehr tiefgreifende Gespräche gegeben hat. Sie war eine Frau mit vielfachen Begabungen, die auch das Gesellige genützt hat, aber immer auch mit einem Tiefgang.

 

Warum ist theologische Bildung für „Laien“, wie sie die THEOLOGISCHEN KURSE anbieten, wichtig oder notwendig oder vielleicht sogar unverzichtbar?

 

Ich glaube, es war fast vorausschauend, dass sie im Krieg und nach dem Krieg das gemacht hat, wo die Gesellschaft fast noch geschlossen gewesen ist, und daher das Glaubenswissen wie selbstverständlich weitergegeben wurde, in den Familien, auch sonst in der ganzen Öffentlichkeit. Aber sie hat offenbar gespürt, dass diese Gesellschaft dann später einmal auseinanderfällt, wie es dann ab den 68-Jahren ja wirklich gewesen ist; und heute ist es so, dass eigentlich ein gläubiger Christ in dieser pluralen Gesellschaft sozusagen zur Festigung des eigenen Glaubens die Reflexion des Glaubens braucht. Und weiterhin auch für das Gespräch über den eigenen Glauben, zum Beispiel mit der heranwachsenden Jugend und vor allem heute auch mit den anderen Religionen. Ein Gespräch mit anderen Religionen ist nicht eine oberflächliche Toleranz, wo man den anderen nur respektiert. Ein Gespräch mit anderen Religionen hat nur eine Frucht, wenn zwei miteinander reden, wo jeder sich seines Glaubens auch wissensmäßig bewusst ist. Dazu kommt, dass heute gebildete Menschen in einer erschreckenden Weise gerade im Religiösen, der religiösen Bildung - wenn überhaupt - auf dem Schulniveau geblieben sind. Sie hat gemeint, ein erwachsener Mensch müsste gerade in einer solch wichtigen Frage wie der Theologie, also des Glaubenswissens, doch auf der Höhe seiner sonstigen intellektuellen Bildung sein.

 

Was wünschen Sie den THEOLOGISCHEN KURSEN zum Geburtstag?

 

Ich wünsche ihnen eigentlich, dass sie sich so weiterentwickeln, wie es gewesen ist. Ich freu mich wirklich, dass die nachfolgende Generation dieses Erbe von der Frau Dr. Schmid nicht nur bewahrt, sondern weiterentwickelt hat. Ich freu mich über diese vielen Sonderveranstaltungen, die die THEOLOGISCHEN KURSE heute anbieten, immer mit einer großen Frequenz. Die THEOLOGISCHEN KURSE sind ja nicht bloß für private Zwecke der Reflexion, sondern für einige kirchliche Berufe sogar die theologische Voraussetzung, und da sind wir stolz darauf; und so wünsch ich mir, dass die THEOLOGISCHEN KURSE – wie sie es jetzt auch tun – den Herausforderungen der Zeit, in denen die Kirche steht, immer wieder nachgehen. Ich glaube, sie sind hier auf einem sehr guten Weg, und so kann ich ihnen nur wünschen, diesen Weg mutig, aber auch kreativ, weiterzugehen.

 

Wohin sollen sich die THEOLOGISCHEN KURSE in den nächsten 25 Jahren entwickeln?

 

Das kann man schwer beantworten, weil man nicht weiß, was sich in den 25 Jahren tut, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche. Wir stehen ja momentan kirchlich in einer sehr interessanten Phase, ich glaube fast in einer Schicksalsstunde, wo wir nicht wissen, welche Kräfte in der Kirche das Sagen behalten werden. Wir vertrauen auf den jetzigen Papst Franziskus, und er ist für viele Überraschungen gut. Aber es ist ja auch die Frage, wie weit er sich als Papst durchsetzt.


Ich würde meinen, dass die THEOLOGISCHEN KURSE in den kommenden Jahren wie bisher die Aufgabe haben, die legitim weiterentwickelte Theologie den Menschen anzubieten, aber auch das noch immer nicht erfüllte Erbe des Konzils zu wecken. Auch der jetzige Papst drängt danach und es ist so, dass vieles, was das Konzil angestoßen hat, dann noch immer nicht Wirklichkeit geworden ist; und was mich besonders beunruhigt: dass in der Kirche die verschiedenen theologischen Denkrichtungen fast polemisch aufeinanderstoßen. Fast polemisch, und das ist ganz schlecht. Ich bin der Meinung, es soll sicher immer verschiedene Denkrichtungen und vielleicht auch Geschwindigkeiten in der Entwicklung geben, aber immer mit einem großen Respekt voreinander, und ja nicht mit einem Selbstbewusstsein: nur wir haben den rechten Glauben. Die THEOLOGISCHEN KURSE sind in dieser Herausforderung sehr wichtig; aber auch, welche Bedeutung die Kirche in der Gesellschaft heute überhaupt haben wird. Manche sagen ihr ja sozusagen ein langsames Sterben voraus, wo ich nicht der Meinung bin. Andere sagen wieder: Was wäre die Gesellschaft ohne Kirche? Dieses Wort hören wir nicht nur von Gläubigen, sondern auch von Ungläubigen, und das wachzuhalten und Menschen dazu zu befähigen, in dieser Auseinandersetzung in Kirche und Welt in einer christlichen Weise zu bestehen d. h. mit Respekt voreinander, aber doch aus dem Glauben, der nicht nur intellektuell ist, sondern auch aus einer inneren Gläubigkeit kommt.

 

Was wäre Ihr Zukunftsauftrag an die THEOLOGISCHEN KURSE in einem Satz?

 

Der Glaube ist Vertrauen und Liebe zu Gott – aber, es geht nicht ohne Glaubenswissen. Und das zu vertiefen und zu verheutigen ist mein Wunsch an die THEOLOGISCHEN KURSE.

 

em. Weihbischof DDr. Helmut KRÄTZL, Erzdiözese Wien, lehrte bei den Kursen ab Beginn der 1980er über 25 Jahre lang Kirchenrecht, bis 2008 Vorsitzender des Kuratoriums

THEOLOGISCHE KURSE

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