Mittwoch 20. September 2017

Erkennen,

was dahinter steckt.

Wenn es sie nicht schon gäbe, müssten sie erfunden werden

 

Die Zeit der Gründung der Theologischen Kurse war für die Römisch-katholische Kirche Österreichs eine Zeit größter Herausforderungen. Im Herbst 1938 war das Erzbischöfliche Palais in Wie gestürmt und verwüstet worden, in den folgenden Monaten nahm die antikirchliche Politik der Nationalsozialisten dramatisch zu. Im Jahr 1940 eskalierte die kirchliche Kritik an der verbrecherischen Euthanasie-Politik der Nazis zum offenen Konflikt. Auf den ersten Blick erscheint es da als eine Nischenerscheinung, wenn gerade unter solchen Umständen die theologische Bildung besondere Beachtung erfährt. Aber bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass es immer die Zeiten der größten Herausforderungen und Bedrohung der Kirche gewesen sind, in denen der Bedarf an gründlicher Vergewisserung des eigenen Glaubens sichtbar wurde. Für die Evangelische Kirche erinnere ich in diesem Zusammenhang an Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer.

 

75 Jahre später haben sich die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Bedingungen für Theologie und Kirche – Gott sei Dank – grundlegend geändert. Auch die Kirchen selbst haben sich geändert und suchen das Gespräch mit den Menschen von heute, die von Säkularisierung und Religionspluralität geprägt sind. Sprachfähigkeit des Glaubens und damit die theologische Bildung sind neu gefragt. Es gehört zu den unaufgebbaren Elementen des christlichen Selbstverständnisses, dass der Glaube ein „gebildeter“ Glaube ist. Er will verstanden werden und sich verständlich machen. Er setzt sich dem Dialog und dem kritischen Gespräch aus. Er ist seiner selbst gewiss und selbstkritisch und so vor jedem Fundamentalismus gefeit.

 

Dass sich die Theologischen Kurse diesem Leitbild verpflichtet wissen, ist an ihrem breiten und profunden Programm ersichtlich. Wenn es sie nicht schon gäbe, müssten sie erfunden werden. Daher eine evangelische Gratulation zum Geburtstag und alles Gute für ein segensreiches Wirken in der Zukunft!

 

Bischof Hon. Prof. Dr. Michael BÜNKER, AB

 

THEOLOGISCHE KURSE

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